Geschichte Freiwillige Feuerwehr Dietersdorf

Freiwillige Feuerwehr Dietersdorf

von Gerhard Pfaffenritter aus der Chronik „700 Jahre Dietersdorf“.

Am  18.  Juni  1899  trafen  sich, nach einer Übung der damaligen Pflichtfeuerwehr Dietersdorf, 49 Männer aus Dietersdorf, Ober-/Unterbaimbach  und  Holzheim in der Hufer´schen Gastwirtschaft, um, in Gegenwart von Vertretern der Regierung, die Freiwillige Feuerwehr Dietersdorf zu gründen. Aus der sich anschließenden Wahl ging Konrad Lösel als 1. Vorstand und Georg Bierlein als 1. Kommandant hervor.

Die damalige Ausstattung war, gemessen an heutigen Verhältnissen, als schlicht zu bezeichnen und bestand lediglich aus Handpumpenspritze, Steigleiter und Ledereimern.

Um die Männer der Würde und dem Dienst entsprechend einkleiden zu können, musste der Verein erst einmal ein Darlehen in Höhe von 475 Mark aufnehmen. Lediglich die Mütze musste jeder Feuerwehrmann zum Preis von 2 Mark selbst bezahlen. Der Monatsbeitrag wurde auf 10 Pfennig festgesetzt.

Bereits zu jener Zeit fungierte die Feuerwehr als gesellschaftlicher Motor im Ort. Beispielhaft seien hier die jährlichen Christbaumverlosungen sowie Silvester- und Faschingsbälle genannt, die der Feuerwehrkasse dringend benötigte, finanzielle Mittel zuführten.

In den folgenden Jahren konnten die Wehrmänner ihre Einsatzbereitschaft bei Haus-, Scheunen-  und  Waldbränden  immer  wieder unter Beweis stellen. 1904 mussten sie sogar zu einem Scheunenbrand in die Nachbarortschaft Deutenbach ausrücken.

Die Inflationszeit ging auch an der Dietersdorfer Feuerwehr nicht spurlos vorüber. So betrug der Jahresbeitrag um 1923 stolze 24 Millionen Mark! Als im Jahr 1928 die Dorfwasserleitung in Gemeinschaftsarbeit gebaut wurde, übernahm die Feuerwehr die Kosten für die Hydranten und konnte somit den Brandschutz nachhaltig verbessern.

Nach 1933 nahm das Regime auch auf die Feuerwehren Einfluss. Während der Kriegsjahre des 2. Weltkrieges mussten die Feuerwehrmänner unter anderem in Nürnberg im Luftschutzdienst mitwirken.

Eine Neuorganisation im Aufbau der Feuerwehren erfolgte nach Kriegsende. So kam dem jeweiligen Bürgermeister gleichzeitig die Aufgabe des Vorstandes der Feuerwehr zu.

In der Generalversammlung vom 30. März 1946 wurde Thomas Bierlein zum Kommandanten gewählt.

Vereinsfahne Freiwillige Feuerwehr Dietersdorf

Vereinsfahne – Foto: G. Pfaffenritter

Aus den Reihen unserer Wehr gründete sich kurze Zeit später, genau am 11. Mai 1946, die eigene Freiwillige Feuerwehr Ober- und Unterbaimbach. 17 Männer bestätigten durch Unterschrift ihren Beitritt. Zum 1. Kommandanten wurde Leonhard Wörlein gewählt.

In der kargen Nachkriegszeit erbrachte eine Haussammlung in Dietersdorf den Erlös zur Anschaffung der ersten Motorspritze, die sich noch in unserem Besitz befindet und im Feuerwehrhaus zu besichtigen ist.

Hervorzuheben ist das Jahr 1953, in welchem die Gemeinde eine Feuerschutzabgabe einführte. Abgabepflichtig waren alle männlichen Einwohner zwischen 18 und 60 Jahren, ausgenommen aktive Feuerwehrmänner. Das Geld kam ausschließlich den Feuerwehren zugute.
In der Nacht vom 15. zum 16. November 1961 wurde die FFW Ober- und Unterbaimbach zu ihrem ersten Einsatz, einem Kellerbrand, gerufen. Über 2 Stunden dauerte die Brandbekämpfung, trotz der Unterstützung der FFW Schwabach.
Der wirtschaftliche Aufschwung der folgenden Jahre, und die damit verbundene Bautätigkeit, führte auch zu einer umfassenden Entwicklung unseres Ortes. Daraus ergab sich die Notwendigkeit, ein größeres Feuerwehrhaus zu bauen, um die ordnungsgemäße Aufbewahrung des umfangreichen Schlauch- und Gerätematerials zu gewährleisten. Doch der Weg von der Idee bis zur Einweihung gestaltete sich lang und schwierig.

1966 wurde bei der Gemeinde zwar ein entsprechender Bauantrag gestellt, doch erst im März 1972 konnte mit dem Neubau des Feuerwehrhauses mit Schlauchtrockenturm begonnen werden. Die enorme freiwillige Arbeitsleistung der Feuerwehrkameraden ermöglichte es, das Richtfest bereits am 19. Mai 1972 zu feiern.
Am Ende des Jahres 1973 wurde das neue Feuerwehrhaus seiner Bestimmung übergeben. Bewerkstelligt wurde dieser Kraftakt von den Feuerwehrkameraden, die neben ihrer eigentlichen Aufgabe, dem Brandschutz, 3.500 freiwillige Arbeitsstunden erbrachten!
In diesem Zusammenhang ist noch die Gebietsreform von Bedeutung. Unser Ort wurde auf Wunsch der Bürger in die kreisfreie Stadt Schwabach eingegliedert. Daraus resultierten Bestrebungen, die Feuerwehren aller Ortsteile in die bestehende Freiwillige Feuerwehr der Stadt Schwabach zu integrieren. Das betraf natürlich auch unsere Ortsfeuerwehr. In mehreren Sitzungen wurde mit dem Oberbürgermeister und dem Stadtbrandrat der Stadt Schwabach verhandelt. Ergebnis: Die Selbständigkeit unserer örtlichen Feuerwehr blieb gewahrt.

An dieser Stelle soll auch erwähnt werden, dass über viele Jahre hinweg die Zusammenarbeit mit der Freiwilligen Feuerwehr der Stadt Schwabach und den eigenständigen Feuerwehren der Ortsteile Penzendorf, Schaftnach und Wolkersdorf wuchs.

So übernahm die FFW Dietersdorf die Patenschaft zum 100-jährigen Feuerwehrfest der Freiwilligen Feuerwehr Wolkersdorf.
Ende 1973/Anfang 1974 trieb ein „Feuerteufel” sein Unwesen in unserer Gegend. Ein Umstand, der den damaligen Kommandanten Hans Schleier dazu bewog, präventive Maßnahmen zu ergreifen und eine Feuerwache einzuteilen. Zu erwähnen ist, dass unser Dorf von den Attacken des Brandstifters verschont blieb.

Im Rahmen unseres 75-jährigen Gründungsfestes vom 17. – 19. Mai 1974 konnte das neue Feuerwehrhaus offiziell seiner Bestimmung übergeben werden. Zeitgleich bekam unsere Wehr ihr erstes Fahrzeug, ein altes LF 8 (Löschgruppenfahrzeug), welches sich zuvor im Dienst der FFW Wolkersdorf befand.

Einen tiefgreifenden Eindruck hinterließ das Feuerwehrfest bei der Dorfjugend, denn kurz darauf traten 13 neue, aktive Mitglieder in unsere Wehr ein.

Pfingsten 1975 bleibt den Wehrmännern nachhaltig in Erinnerung. Ein schweres Unwetter brach über das Dorf herein und die Wehr musste erneut ihre ganze Einsatzbereitschaft zeigen. Stützmauern stürzten ein, Straßen wurden über- schwemmt und mit Schlamm überzogen.

Feuerwehrhaus - Foto: G. Pfaffenritter

Feuerwehrhaus – Foto: G. Pfaffenritter

Im Dezember erhielt unsere Wehr ein neues LF 8, das den Brandschutz erheblich verbesserte. Als Neuerung war das Fahrzeug mit schwerem Atemschutz ausgerüstet, so dass die Kameraden nun für diese Gerätschaften ausgebildet werden mussten.

Die zahlreichen Aktivitäten unserer Wehr ließen eine erneute Baumaßnahme notwendig erscheinen. Dementsprechend entschloss man sich
1983 zu einem Anbau von Toiletten, eines Sitzungszimmers, eines Lagerraumes und einer Küche. Auch hierbei leisteten die Feuerwehrmänner 2.100 freiwillige Arbeitsstunden!

Als Beweis des guten Kameradschaftsgeistes unserer örtlichen Feuerwehr mag die 1990 von Feuerwehrkameraden ins Leben gerufene Seniorengruppe dienen, die sich durch regelmäßige Treffen und Unternehmungen auszeichnet und noch aktiv am Vereinsleben teilnimmt.

Bedauerlicherweise konnten 1991 die Kameraden der FFW Ober- und Unterbaimbach die gesetzliche Mindeststärke für eine eigenständige Feuerwehr nicht mehr aufweisen. Um den Feuerschutz in Baimbach weiter zu gewährleisten, wurde die FFW Ober- und Unterbaimbach, im Einvernehmen mit der Stadt Schwabach, als Löschgruppe Baimbach in die FFW Dietersdorf integriert.

Seniorengruppe der Feuerwehr - Foto: G. Pfaffenritter

Seniorengruppe der Feuerwehr – Foto: G. Pfaffenritter

Auf Anregung des Vorstandes und Kommandanten Hans Schleier wurde im Jahr 1993 hinter dem Feuerwehrhaus Ordnung geschaffen. Es entstand in vielen freiwilligen Arbeitsstunden der „Serenadenhof”. Hier findet nun jährlich der beliebte Weihnachtsmarkt der FFW statt und nach mancher Übung lässt es sich unter schattigen Bäumen herrlich verweilen.

1997 erfuhr der Saal des Feuerwehrhauses eine Neugestaltung und Erweiterung. Außerdem wurde unserer FFW ein älteres TSF (Tragkraftspritzenfahrzeug) als Ersatz für den TSA (Tragkraftspritzenanhänger) zugewiesen.

TS 8 - Foto: G. Pfaffenritter

TS 8 – Foto: G. Pfaffenritter

Zum Ausbildungsstand unserer Wehr lässt sich sagen, dass er durch die Schulungen und die Ablegung der Feuerwehr-Leistungsabzeichen eine stetige Verbesserung erfuhr. Zum hohen Ausbildungsniveau tragen nicht zuletzt die Ausbildung der Atemschutzträger, die Ausbildung in der technischen Hilfeleistung, sowie die Erste-Hilfe-Kurse bei.

In der Zeit vom 29. Juli bis 2. August 1999 konnte unsere Wehr ihr 100-jähriges Gründungsfest mit Fahnenweihe feiern. Auch an dieses Fest wird man noch lange mit Freude zurückdenken.

Gruppenbild Freiwillige Feuerwehr Dietersdorf 1999 - Foto: Archiv FFW

Gruppenbild Freiwillige Feuerwehr Dietersdorf 1999 – Foto: Archiv FFW

In den nun mehr als 100 Jahren, die seit der Gründung unserer Feuerwehr vergangen sind, haben sich nicht nur ihre Aufgaben verändert. Vielmehr bedurfte es auch einer stetigen Weiterentwicklung und Ergänzung des erforderlichen technischen Ausrüstungsstandes.

So erhielt 2003 die FFW Dietersdorf von der Stadt Schwabach ein neues LF 8/6 (Löschgruppenfahrzeug mit 600 l Wassertank). Da das zweite Fahrzeug, das alte TSF, aufgrund technischer Mängel aus dem Verkehr gezogen werden musste und für eine Ersatzbeschaffung keine öffentlichen Mittel bereitgestellt werden konnten, hat der Verein aus eigenen Mitteln ein MZF (Mehrzweckfahrzeug) angeschafft, um die entstandene Lücke zu schließen und den weiter steigenden Anforderungen gerecht zu werden.

Festakt mit Fahrzeugübergabe LF 8/6 und MZF 2003 - Foto: K. Waldmüller

Festakt mit Fahrzeugübergabe LF 8/6 und MZF 2003 – Foto: K. Waldmüller

Freiwillige Feuerwehr Kommandant Hermann Ott (Archiv FFW)

Kommandant Hermann Ott

Foto: Archiv FFW

Freiwillige Feuerwehr Vorstand Gerhard Pfaffenritter (Archiv FFW)

Vorstand Gerhard Pfaffenritter

Foto: Archiv FFW

Freiwillige Feuerwehr Ehrenvorstand Hans Schleier (Archiv FFW)

Ehrenvorstand Hans Schleier

Foto: Archiv FFW

An dieser Stelle sei die besondere Leistung des damaligen Vorstandes Hans Schleier erwähnt und hervorgehoben, der 29 Jahre lang der 1. Kommandant der FFW Dietersdorf und 32 Jahre der 1. Vorstand des Feuerwehrvereins war. Hans Schleier gelang es, trotz meist leerer öffentlicher Kassen, Gelder für die Abwehr von Not und Gefahr der Einwohner unseres Dorfes und der Umgebung einzufordern. Er diente somit in vorbildlicher Weise nicht nur den Belangen des Vereins, sondern des gesamten Dorfes.

Der Wunsch der aktiven Feuerwehrleute ist es, dass auch künftig junge Menschen den Weg zur Feuerwehr finden, gemäß dem Feuerwehrspruch „Einer für Alle, Alle für Einen“, um den Brand- und Katastrophenschutz für die Zukunft zu gewährleisten.