Eins und eins ergibt mehr als zwei

Dekan Klaus Stiegler widmete eine viertel Pfarrstelle aus Wolkersdorf nach Dietersdorf um – 14.10.2010 23:03 Uhr

WOLKERSDORF/DIETERSDORF – Dekan Klaus Stiegler hat beim Erntedankfest ein Viertel der evangelischen Pfarrstelle Wolkersdorf nach Dietersdorf umgewidmet. Damit haben nun beide Kirchengemeinden je 0,75 Pfarrstellen. Beide Gemeinden müssen nun enger kooperieren, weil nicht nur dekanatsweit im allgemeinen, sondern in Wolkersdorf und Dietersdorf ganz speziell Pfarrstellen eingespart werden müssen.

Der Vorteil des Einen gleicht das Defizit des Anderen aus. Unter diesem Motto griffen Pfarrerin Renate Schindelbauer und Pfarrer Christian Stuhlfauth zu ihren Instrumenten und sangen ein gemeinsames Lied zum Erntedankfest.

„Es ist wie wenn Ostern, Pfingsten und Weihnachten auf einen Tag zusammenfallen“, erklärte die Dietersdorfer Pfarrerin Renate Schindelbauer die drei Ereignisse Erntedankfest, Tag der Deutschen Einheit und Umwidmung der Pfarrstelle. „Und es soll Zusammenwachsen, was zusammen gehört“, ergänzte Pfarrer Christian Stuhlfauth aus Wolkersdorf.

Im Pausenhof der Zwieseltalschule trafen sich die evangelischen Gemeindemitglieder von Dietersdorf und Wolkersdorf zu diesem außergewöhnlichen Gottesdienst. Liebevoll war der Altar mit Früchten und Erntegaben geschmückt. Ein idealer Rahmen für diesen historischen Schritt des Zusammenwachsens der beiden Kirchengemeinden im Zwieseltal.

Dekan Klaus Stiegler erklärte die Beschlüsse der Landeskirche, die letztendlich dazu führten, dass es in 24 von 26 Kirchengemeinden des Dekanats Schwabach personelle Veränderungen gebe. Schließlich galt es, dekanatsweit 2,75 Pfarrstellen einzusparen. Alleine in Wolkersdorf und Dietersdorf sollte eine halbe Stelle wegfallen. Somit wurden die Dietersdorfer und Wolkersdorfer Kirchengemeinden mit Beschlüssen konfrontiert, die sie selbst nicht gefasst hatten. Die Begeisterung darüber hielt sich erwartungsgemäß in Grenzen, die Emotionen kochten hoch.

Renate Schindelbauer und Christian Stuhlfauth ermunterten in ihrer Predigt zu Visionen, um die Lust des Aufeinanderzugehens zu wecken. Die Zusammenführung der beiden selbstständigen Kirchengemeinden könne auch Bereicherung sein. Was in der einen Gemeinde vorhanden ist, könne das Defizit in der anderen Gemeinde ausgleichen und umgekehrt. „Somit ergibt eins und eins mehr als zwei“, erklärte Schindelbauer.

„Reißen wir die Kirchengrenze, die durch Wolkersdorf führt, ein wie die Mauer zwischen Ost und West und gestalten etwas Neues“, appellierte Christian Stuhlfauth. Jetzt bestehe die Chance, die Zukunft zu gestalten um später die Früchte dieser zu ernten. Auch Dekan Stiegler nahm diesen Appell auf und forderte „die Kirche Jesu Christ verantwortlich zu gestalten“. Denn Transparenz und Kooperation bei der Suche nach Verknüpfungspunkten seien „die Gaben der gegenseitigen Bereicherung“.

Mit seinem Segen widmete Dekan Klaus Stiegler eine viertel Pfarrstelle vom Wolkersdorfer Pfarrer Christian Stuhlfauth nach Dietersdorf um. Damit übernimmt Stuhlfauth 25 Prozent des seelsorgerischen Dienstauftrags in Dietersdorf. Rein rechnerisch befinden sich nun in beiden Kirchengemeinden 75 Prozent Pfarrstellen und sind wieder ausgeglichen. Als vor einem Jahr die Dietersdorfer Pfarrerin Renate Schindelbauer in ihr Amt eingeführt wurde, hatte sie nur noch eine halbe Amtsstelle erhalten (wir berichteten).

Auch wenn es an der Basis viel Kritik gegeben hat: Stiegler bedankte sich bei allen Kirchenmitgliedern, „die sich auf den Weg gemacht und eine Neuentwicklung vorangetrieben haben.“

kwa

Mit freundlicher Genehmigung aus dem Schwabacher Tagblatt.