Grundwerte als gemeinsame Basis

Evangelische Pfarrgemeinde Dietersdorf lud die Oberbürgermeisterkandidaten zu Podiumsdiskussion – 18.01.2008

DIETERSDORF (KWA) – Eine große Stoppuhr zur Messung der Redeanteile stand auf dem Pult von Moderator Pfarrer Walter Dummert, die er auch während der Podiumsdiskussion eifrig nutzte, um die vorgegebenen Redezeiten fair aufzuteilen. Trotz einer Redezeit von maximal drei Minuten pro Kandidat und Thema verliefen die Statements der Kandidaten zu den zuvor gestellten Fragen mit anschließender Diskussion diszipliniert ab.

Pfarrer Walter Dummert hatte als Gastgeber und Moderator ein Auge darauf, dass die Redezeiten eingehalten wurden. Die Kandidaten machten es ihm in der fairen Diskussion aber auch nicht schwer. Im voll besetzten Gemeindesaal stellten sich (von links): Dr. Roland Oeser (Bündnis 90/Die Grünen), Helga Schmitt-Bussinger (SPD), Alexander Pühringer (FDP), Matthias Thürauf (CSU) Dr. Thomas Donhauser (FDP) und Hans-Peter Wölfel (Wählerinitiative Kommunalwahl 2002 Schwabach). Wer von ihnen Nachfolger von OB Hartwig Reimann wird, entscheiden die Wähler am 2. März. Oder in einer Stichwahl zwei Wochen später.

Im voll besetzten Gemeindehaus äußerten die Anwärter auf den OB-Sessel zu den Themenbereichen christlich-humanistische Werte, ihre kommunalpolitischen Zielvorstellungen, Jugend- und Seniorenarbeit, Schulwegsicherheit und Ehrenamt als tragende Säule der demokratischen Gesellschaft.

Geladen zu dieser Podiumsdiskussion hatte der Kirchenvorstand der evangelischen Gemeinde Dietersdorf die Kandidaten: Helga Schmitt-Bussinger (SPD), Matthias Thürauf (CSU), Dr. Thomas Donhauser (FW), Dr. Roland Oeser (Grüne), Alexander Pühringer (FDP) und Hans Peter Wölfel (WKS). Eine Zusammenfassung zentraler Aussagen:

Helga Schmitt-Bussinger (SPD): «Für mich gilt der Grundsatz: Gehe so mit dem Menschen um, wie du selbst behandelt werden willst. Somit sind für mich christliche Grundwerte wichtig. Eine Politik, des Dialogs fördert die Integration aller Menschen. Konkret möchte ich die Kinderbetreuung ausbauen, die bereits gute Arbeit der «Arge» weiter fördern und nach Qualifizierungsmögichkeiten für Jugendliche suchen.»

Die Senioren sollten in ihrer vertrauten Umgebung alt werden dürfen. Die Grundversorgung sieht sie in diesem Bereich als Gesamtaufgabe, betonte sie.

Schulwegsicherheit sei noch nicht in jedem Bereich vorhanden. «Daran werden wir weiterhin nach optimalen Lösungen suchen müssen.» Bereits von der Bundesregierung wurde das Ehrenamt gefördert. Die Möglichkeiten der Kommune seien sehr begrenzt.

Matthias Thürauf (CSU): Wichtig ist für ihn zuerst eine Analyse durchzuführen, um anschließend gezielt auf die Schwachen der Gesellschaft eingehen zu können. «Nächstenliebe ist für mich die Basis für das aktive Tun. Die Jugendlichen müssen wir bereits in der Schule auffangen und begleiten. Es darf erst gar nicht soweit kommen, dass diese abdriften. Die bisher geleistete Jugendarbeit finde ich gut.»

Weiterhin will Thürauf die Senioren stärker in das gesellschaftliche Leben mit einbinden, denn «der Erfahrungsschatz dieser Generation ist wichtig für die jungen Menschen und Familien.» Die Sicherheit auf dem Schulweg ist für ihn das oberste Handlungsgebot, auch wenn es sehr schwer sei, Lösungen zu finden. Die Förderung des Ehrenamtes im kommunalen Bereich mit Vor-Ort-Vergünstigungen sieht er als Möglichkeit.

Dr. Thomas Donhauser (FW): «Ich sehe die Politik als ein Geben und Nehmen und möchte das bürgerliche Engagement stärker fördern. Die Einbindung aller Gruppen in Entscheidungsprozesse ist für mich der gemeinsame Nenner.»

Die Stadt sieht er als Wirtschaftsförderer um somit Gelder für die aktive Jugendarbeit und Seniorenarbeit zur Verfügung stellen zu können.

Die Schulwegsicherung ist für ihn ein Bürgeranliegen und eine Notwendigkeit; dafür wird er sich vehement einsetzen. «Wo Defizite erkennbar sind, müssen diese abgestellt werden».

Dr. Roland Oeser (Grüne): «Die Nächstenliebe, die Erhaltung der Schöpfung sowie die Solidarität zu Hilfsbedürftigen aller Bereiche sind meine Grundwerte. Partnerschaften und persönliche Begleitung sehe ich als Ansatzpunkte für Jugendliche, um sie aus einer misslichen Lage herausholen zu können.»

Die Senioren möchte er stärker «zu Wort kommen lassen» und eine breitere Verknüpfung zwischen Stadt, Kirche und Vereine anstreben. «Baumaßnahmen gehen in der Regel zu Lasten der Natur, doch mit Maß und gutem Ausgleich lässt sich auch Sicherheit und Wachstum erreichen.»

Alexander Pühringer (FDP): «Das aktive Zugehen auf alle Gruppen und diese in die Entscheidungsprozesse mit einbinden ist eine Pflichtaufgabe des OB.» Jugend- und Seniorenarbeit kann man nicht mit Kosten messen, dies ist die Grundaufgabe kommunaler Arbeit. Das Miteinander fördert die Akzeptanz des Ehrenamtes und sucht Nachahmer.

Die Stadt steht in der Verpflichtung, dieses bürgerliche Engagement zu fördern. «Ziel ist es, bestehende Strukturen auszubauen und aktiver am gesellschaftlichen Leben teilnehmen zu lassen.»

Hans-Peter Wölfel (WKS): «Alexander Humboldt als Menschenfreund hat für mich Vorbildcharakter. Und so sehe ich auch das Amt des OB. Die Zeit für Veränderungen ist reif. Von Pauschallösungen halte ich nichts, das Ziel sind die Einzelfälle. In Fragen der Verkehrssicherheit muss auch mal die Kommune ihr öffentliches Interesse deutlich machen. Die gerechte Verteilung der Pflicht- wie auch der freiwilligen Aufgaben schafft Realität und wird vom Bürger angenommen. Sie müssen nur richtig wählen, dann wird was geschehen!»

Mit freundlicher Genehmigung aus dem Schwabacher Tagblatt.